Abendländische Nostalgie

 
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Wir werden in dieser Gesellschaft ständig mit neuen Schwachsinnsbegriffen beschmissen. Wo man auch hinkuckt, wird man von der Sprache für blöd verkauft. „Friedenstruppen“, zum Beispiel, oder „innere Sicherheit“ – „innere Sicherheit“, wie das klingt! Wie son Tampon-Werbespruch!

„Mit Wolfgang Ultras habe ich einfach ein Gefühl innerer Sicherheit, denn ich weiß: Wo ich auch hingehe, werden die mich nie allein lassen!"

 „Soziale Marktwirtschaft“ ist auch ganz herrlich. Fast so blöd wie „koschere Blutwurst“, „Halal-Schinken“ oder „christliche Nächstenliebe“.

Wo wir doch grad bei der Nächstenliebe sind – der Schwachsinnsnobelpreis geht eindeutig an „jüdisch-christliche Kultur“. Schon mal gehört? Das ist es, was von diesen bösen Moslems bedroht wird.

Man muß sich klarmachen, was hier auf dem Spiel steht. Jahrhundertelang haben in Europa Juden und Christen freundschaftlich zusammengelebt. Haben Sie bestimmt schon von gehört. Zweitausend Jahre lang haben wir an dieser wunderschönen gemeinsamen Kultur gebastelt.

Es gab eine klare Rollenverteilung, versteht sich. Wenn wir mal Scheiterhaufen spielten, mußten wir Juden immer das Brennholz sein. Das war freilich etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir hatten ja auch unsern Spaß dran. Wir haben’s gerne gefährlich, und im christlichen Abendland – diesem Höhepunkt der menschlichen Zivilisation – zu leben, war für uns halt so eine extreme Sportart. Power-Brenning, Extrem-Gevierteiltwerding, Oberaffen-Pogromvermeiding – das war voll dufte, und auch für die künstlerisch Orientierten unter uns eine 1A-Inspiration. Daraus sind Tophits wie „Unser Schtetl brennt“ entstanden. Die Lieder klingen zwar immer voll traurig, aber so sind wir Juden nun mal wenn wir uns richtig amüsieren!

Das christliche Abendland – so hieß das damals. Von „jüdisch-christlicher Kultur“ war nie die Rede. Und was ist der Abend, wenn nicht der Einbruch der Dunkelheit? Die Japaner leben im Reich der Sonne, und wir halt im Land der einbrechenden christlichen Dunkelheit.

Nein, von „jüdisch-christlicher Kultur“ war damals gar keine Rede. Das kam erst später, nachdem es im Abendland eine Zeitlang etwas nächtlicher geworden war. Erst als man nachher merkte, daß wir aus irgendeinem Grund nicht mehr so viele waren, wurde das ganze in „jüdisch-christliche Kultur“ umgetauft, sozusagen.

Und dann kamen auf einmal diese blöden Moslems daher, die nie mit uns Juden Scheiterhaufen spielen wollten, und haben all die Jahrhunderte jüdisch-christlicher Freundschaft verkackt!

Irgendwie kann man schon verstehen, weshalb sich der Ratzinger so aufregt. Das ist keine Islamophobie, oder wie man das so nennt. Das ist Nostalgie nach den Scheiterhaufenspielen und fröhlichen Die-Haben-Uns-Schon-Wieder-Ausgebrannt-O-Gott-Wann-Hört-Das-Endlich-Auf-Songs der guten alten Zeiten. Echter abendländischer Pluralismus halt!

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